Als Diener bei Ravené

Die Fahne von Cond
Zum 125 Jahrestag der Einweihung des Tunnels und der Burg hat Beatrix Drews, geb. Baron aufgeschrieben, was ihr Vater von seiner Zeit als Diener auf dem Schloss einst erzählte.


ein Name war Baron, Josef. Geboren 1896 in Cochem und wohnte im Fuhrweg. Er diente die tägliche Morgenmesse im Kloster und der Schwester als Bote.
So kam er auch zum Schlossverwalter. Dem gefiel, dass mein Vater Hochdeutsch sprechen konnte, bei allem Respekt net mundtot war und frei Rede und Antwort stand. Groß und kräftig war er auch. Im Frühjahr 1910 holte Herr Friedrichs ihn auf´s Schloss.
Die Arbeit im Wingert und Keller war für den Papa nix Neues, aber auf dem Schloss doch was ganz anderes.
Mit den Hunden kam er gut zurecht. Die waren so erzogen, dass sie bei offenem Tor sich frei im unteren Hof bewegten, das Terrain aber nur in Begleitung verließen. Einmal bekam es einem Neugierigen schlecht, der die Aussicht auf die Stadt vom Hof aus genießen wollte. Zwei der Hunde hinderten ihn daran. Einer warf Ihn an den Schultern aufs Kreuz, der andere biss die Schnürsenkel der Schuhe durch und zog sie aus. Sie setzten sich zu Kopf und Fuß und gaben laut. Das sei ein rechtes Theater gewesen. Meinem Vater waren sie Freunde und ging einer von ihnen in die ewigen Jagdgründe ein, wurde er, das war bei Ravenés so üblich, auf dem Hundefriedhof begraben.

it dem Verwalter ging es ab und an zu Kontrollgängen und Erhaltungsarbeiten in den alten Fluchtweg der Burg. Der hatte am Tummelchen, im Kloster und an der Mosel einen Ausgang. Das sei sehr aufregend gewesen, hätt sich aber bald gegeben. Die Einbrüche häuften sich, darum wurde wegen Lebensgefahr der Gang aufgegeben, die Zugänge vermauert. Auch der im Studierzimmer des Herrn von Ravené.
Dieser sei ein Schöngeist gewesen, ein feiner Mann. Der hatte den Burgberg mit Goldlack einsähen lassen. Eine blühende Idee der Hangsicherung. Damit bescherte er der Stadt im Frühjahr einen unvergleichlichen Wohlgeruch. Am Pinnerkreuz und an der Brauselay, ausgewildert, ist die Pflanze erhalten.
Meldete der Geheimrat seinen Besuch an, wurde auf dem Burgfried geflaggt. Brachte er weibliche Familienmitglieder mit, auch auf dem Frauenhaus. Kamen Gäste oder gab es ein Fest, wurden an der Front zur Mosel hin die entsprechenden Fahnen aufgezogen.
Für den Dienst im Umgang mit der Herrschaft hatte es zuvor den rechten Schliff gegeben. Selbst musste man Tiptop sein, wie aus dem Ei gepellt.
Reisten Gäste an, so war, wie beim Herrn und seiner Familie, Koffer tragen angesagt. Bei seinem Ersten habe er gedacht, die hätten 'half Berlin einjepackt'. Die Herrschaften trugen sehr feine Garderobe und zogen sich halt öfter um. Denn sie pflegten auch hier Lesungen, Musik und ausgedehnte Abendessen. Dazu trugen die Damen Abendkleider. Manchmal sei es hoch her gegangen.
Diesen Dienst machte Papa gerne, auch wenn ihm am Anfang ein Malheur passierte. Beim Servieren der Soße traf ein Tropfen das Dekolleté einer Freifrau von ... (der Name ist mir entfallen). Er hätte versinken mögen und auf sein "Bitte vielmals um Verzeihung" habe sie lächelnd gesagt: "Ach Josef, gräm er sich nicht. Möchte mir doch nie mehr auf mein Herz fallen als ein Tropfen Soße."
In meinem Vater hatte sie einen Verehrer mehr.

ls er zu den Soldaten musste, kam er nach Berlin, genauer nach Potsdam ins Garderegiment des Kaisers. Es sei damals noch eine Ehre für den Arbeitgeber gewesen, dem Kaiser Gardisten zu stellen, und für meinen Vater einer zu sein.
Nach dem Krieg war sein dritter Weg aufs Schloss. Der Herr Verwalter konnte ihm nur sagen: "Josef, es sieht nicht gut aus. Der Geheimrat will Cochem aufgeben. Ich hab mich für dich umgehört. Die Bahn stellt Leute ein. Geh zum Vorsteher und werde dort vorstellig. Er konnte dort anfangen.