Ein Kunstwerk in St. Remaclus

Die Fahne von Cond

von Thomas Blazek und Rudolf Laux


Schlicht und klar zeigt sich der Innenraum von St. Remaclus. Das kleine Buntglasfenster in der Apsis fällt kaum in den Blick ...

 

er jedoch unsere Pfarrkirche bei heller Morgensonne besucht, entdeckt ein Kleinod, ein Christusbild besonderer Art: Der Auferstandene scheint dem Betrachter gleichsam als Lichtgestalt entgegenzuschweben. Arme und Hände sind wie zum Jubel erhoben, die Beine in leichtfüßiger Tanzhaltung gesetzt. Die überlangen Gliedmaßen und der fast muskulöse Körper kennzeichnen ungebrochene Lebendigkeit - das Leben hat den Tod besiegt. Weitere Bildattribute, eingebettet im rubinroten Hintergrund, lassen die Seite des Leidens, des Sterbens, des Todes erkennen: Die Kreuzbalken - Folterinstrument und Tötungswerkzeug - sind in hellem Braunton am oberen Bildrand angedeutet. Den Blutstrom der Seitenwunde fängt ein goldgelber Kelch auf - Hinweis auf das eine und endgültige Opfer, auf die selbstlose Liebestat Jesus. Die Füße treten ein Bündel hoffnungsfroh grüner Trauben - der sich selbst auspressen ließ wie eine Traube, wird zum Heilbringer, zum Heiland der Welt.


Foto: Alfred Breitbach und Rudolf Laux


m diese Bildsprache von Leben und Tod in ihrer Tiefe ergründen zu können, lohnt sich ein Blick auf die motivgeschichtliche Entwicklung des sogenannten Keltertreters: Er begegnet uns erstmals im alttestamentlichen Jesajabuch (Jesaja 63,1-6) als endzeitlicher Richter, der die Völker wie Trauben in der Kelter zertritt, dem Gottesvolk aber Gerechtigkeit bringt. Dieser späte Jesajatext (Ende 6. Jh. v. Chr.) wurde von den Kirchenvätern als Anspielung auf die Passion Christi verstanden: Jesus selbst ist der Keltertreter, er selbst vergoss sein Blut, um die Schuld aller Völker, aller Menschen auf sich zu nehmen. Bis zum Mittelalter enwickelte sich das Motiv der Kelter zum figürlichen Symbol Christi. Die wohl bekannteste Darstellung eines "Christus in der Kelter" (16. Jh.) befindet sich in Ediger-Eller: Eingerahmt vom Balkenwerk der Kelter stampft Jesus die Trauben, schwer lastet der Kelterbalken des Kreuzes auf seinen Schultern, während das Blut aus den Wundmalen fließt. Er, der Gottesknecht, leidet für uns: "Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm. Durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jesaja 53,5).

Die eher drückende Stimmung des Grundmotivs wird vom Künstler Jakob Schwarzkopf (1926-2001) buchstäblich mit Leichtigkeit überwunden: Der Keltertreter in St. Remaclus ist von aller Last des Todes befreit. Die schweren Kreuzbalken verflüchtigen sich im Zwielicht des Hintergrunds, der mühsame Tritt der Kelter wird zum leichtfüßigen Tanz. Karfreitag und Ostern, Tod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen.

n mehreren Kirchen des Architekten Emil Steffann sind Christusdarstellungen an ähnlicher Stelle angebracht: im Seitenbereich des Altarraums. Das Zentrum selbst ist freigehalten als Sinnbild der Unendlichkeit und Unbeschreiblichkeit Gottes. Damit folgt der Baumeister dem Brauch urchristlicher Kirchen. Das kleine Buntglasfenster unserer Pfarrkirche mit seiner Christusdarstellung (ca. 75 x 30 cm / Halbmesser des Rundbogens ca. 15 cm) will das Unsagbare anschaulich machen: der unendliche Gott bliebe uns unbegreiflich, hätte er nicht Hand und Fuß bekommen in seinem Sohn Jesus Christus.

Glasmalereien des Künstlers Jakob Schwarzkopf finden sich in aller Welt, etwa in Housten, USA, St. Patricks Church; in Bankok, Thailand, Museum Samut Prakan; in der Kathedrale Gemona del Friuli / Italien; sowie in ganz Deutschland. In Cochem sind Exponate des Künstlers im Seniorenwohnheim St. Hedwig, im Marienkrankenhaus, im Hotel Brixiade und in einigen Privathäusern zu sehen. Ausgeführt wurden diese Werke in der Werkstatt Binsfeld in Trier.