Aus der Conder Geschichte

Die Fahne von Cond
Teil 1



ie erste urkundliche Erwähnung des Dorfes "Cond" (Condedunum, Condendon) datiert bekanntlich aus dem Jahre 857.
Hierbei handelt es sich um die Beurkundung einer Schenkung an das Kloster Stablo.

Im Original ist dieses Dokument zwar nicht mehr erhalten, an der Echtheit der Abschrift aus dem 13. Jahrhundert bestehen jedoch keine Zweifel

Die Urkunde ist in der damaligen Schriftsprache, in Latein, verfaßt und hat folgendes zum Inhalt:

 

ehr wohlgefällig ist Gott das Angebot, entweder im Hinblick auf die Größe oder die Beschaffenheit all der Dinge, wie er (gemeint sind hier Willefried bzw. Leodin) sie aus seiner privaten Rechtsprechung an eine gemeinschaftliche Rechtsprechung der für Gott Streitenden auf die Gemeinschaft übertragen hat.
Dies mag als Einführung genügen.

Jetzt freilich will ich mich (gemeind ist hier der Notar Hugo) zu dem Bericht wenden, der mir von guten Leuten gegeben wurde, um den (folgenden) Abschnitt zu beschreiben.

lso wollen wir, ich, Willefried (lat. Willefridus) und mein Vetter Leodin (lat. Leodinus), um etwas für die Göttliche Lossprechung auch unserer Seelen zutun, unserer Kirchem, die sich auf dem Landgut Cond (Condedunum) befindet und die uns aus dem Erbteil unserer Väter zugefallen ist, dem Kloster Stavelot (lat. Stabulaus) schenken, welches zur Ehre des heiligen Petrus und des heiligen Paulus erbaut wurde.
In ihm (dem Kloster) ruht in einem Grab der Erbauer des Klosters selbst, der heilige Remaclus, der, man berichtet von seinen wunderbaren Taten, in Herrlichkeit wiederauferstehen wird.

Wohlgemerkt aus diesem Grund (wollen wir schenken), damit aus demselben Kloster ein solcher Priester ausgewählt wird zur Kirche, der geeignet ist, den priesterlichen Dienst zu verrichten; dort wird ihnen (dem Priester und seinen Begleitern) ein Versammlungsort innerhalb des vorhergenannten Landguts geschenkt, um die Messe zu feiern, die heilige Taufe zu spenden und alle geistlichen Lehren von demselben Priester ohne Verzögerung zu verkünden.

Und damit unsere Nachkommen wissen, daß wir so gehandelt haben wir Vorsorge getragen, daß wir in dem Kontrakt mit den ehrwürdigen Männern in dem hier vorliegendem Protokoll unsere Namen eingefügt wurden.

Ich, Willefried, und ebenso Leodin sind die Spender, die gebeten haben, daß diese Schenkung ausgeführt wird, und es mit eigener Hand beglaubigt.

Besiegelt (wurde dieser Vertrag durch)
Ramibert (lat. Ramibertus), Adelard (lat. Ardelartus), Herimann (lat. Herimannus), Wigbald (lat. Wigbaldus), Randulf (lat. Randulfus), Mother (lat. Motherus), Ernulf (lat. Ernulfus), Wanbert (lat. Wanbertus), Adelart und Leobin (lat. Leobinus).

 

Diese Übergabe wurde vollzogen auf dem Landgut Cond am 5. März im zweiten Regierungsjahr des ruhmreichen Königs Lothar (857).

Aus dieser Urkunde geht hervor, daß sich die besagte Basilika schon im Besitze der Eltern der beiden Schenkgeber befunden hat; sie war, wie damals üblich, Eigentum dieser (adligen) Familie.

Diese konnte, wie Willefried und Leodin es tun, die Kirche verschenken, verkaufen, für andere Zwecke nutzen oder auch abbrechen.

Aus dem Hinweis, daß "alle geistlichen Lehren von demselben Priester ohen Verzögerung zu verkünden" seien, kann man schließen, daß Cond vorher wohl zu einer anderen Pfarrei gehört hatte, deren Priester möglicherweise nicht in der Lage war, seine Dienst in Cond ordnungsgemäß zu versehen.

Ältere Quellen vermuten beispielsweise, daß Cond bis dato zur Pfarrei Cochem gehört hat, und daß Moselhochwasser für den "Verzug" der Sakramente verantwortlich gewesen seien.
Die Pfarrei Cochem wird urkundlich zwar erst 1137 erwähnt, ehört aber sicherlich zu den ältesten Pfarreien in unserem Gebiet.

Die beiden Adligen Willefried und Leodin sorgten sich also nicht nur umihr eigenes "Seelenheil", sondern auch um das ihrer Untertanen.

Zweifellos führte das Kloster Stablo die ihm übertragene Verpflichtung auch aus. Dennoch wird in späterer Zeit erneut durch eine Schenkung dafür gesorgt, daß in Cond ein Priester ansässig werden kann. Im Jahre 912 nämlich schenkt König Karl der Einfältige einem Mönch mit Namen Fulrad einen Herrenhof in Cond mit der Auflage "die regelmäßige Feier des Sonntages" zu achten.

Demnach besaß also neben einzelnen Adligen auch die Krone Besitztümer in Cond.

In dieser Schenkungsurkunde wird als späterer Nachfolger jenes Fulrad das Kloster Stablo mit besagtem Herrenhof bedacht, das nun nicht nur eine Basilika (mit Anspruch auf den Zehnten), sondern auch einen Herrenhof mit den dazugehörenden Landgütern besitzt.

Insbesondere die zweite Schenkung kann wohl auf den Umstand zurückgeführt werden, daß jeder, der in seinem Herrschaftsbereich eine Pfarrei haben wollte, dafür Sorge zu tragen hatte, daß diese ausreichend mit Einkünften und mit Geistlichen versehen war.

So ordnete zum Beispiel Karl der Große im Jahre 809 an, daß jede Kirche einen bestimmten Distrikt haben müsse, aus dem sie mit dem Zehnten versorgt werden solle. Es ging also auch und vielleicht vor allem um die materielle Absicherung der Pfarrei.

Hier nun die zweite Schenkung in ihrem Wortlaut:

m Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit, Karl (der Einfältige), durch göttliche wohlwollende Gnade König und berühmter Mann.

Wenn wir einmal den Bitten unserer Getreuen das Ohr unserer Gnade gewährten, wollen wir nicht nur den königlichen Brauch erfüllen, wie es sich schickt, sondern wir passen uns auch der Gesinnung derselben (Leute) a, um die der Zuverlässigkeit schuldigen Rechte angemessen beihalten.

Daher sollte der Fleiß aller unserer jetzigen und ebenso zukünftigen Gläubigen der heiligen Kirche Gottes erfahren, aufwelche Weise die verehrungswürdigen Grafen Reginar (lat. Reginarus)und Berengar (lat. Berengarius) zu uns kamen und unsere Hilfe erbaten, während wir uns auf dem Höhepunkt unserer Macht befanden, Damit wir einem gewissen Priester und Mönch mit Namen Fulrad (lat. Fulradus) einiges aus dem Vermögen unsers Herrn bewilligen sollten.