Aus der Conder Geschichte

Die Fahne von Cond
Teil 2


ekanntermaßen hatte das Kloster Stablo etliche Besitztümer in Cond und damit verbunden, umfangreiche Hoheitsrechte.

Weniger bekannt ist, daß daneben auch andere geistliche Herren hier Grundherrschaft besaßen. Die damit verbundenen Rechte sind in den "Sammlungen der Weistümer" zu finden.

So findet sich in dieser Sammlung über Cond beispielsweise ein Bericht aus dem Jahre 1673, die Rechte des Stiftes Pfalzel betreffend:

tem wehre es sach, daß ein urtheil an die Scheffen gestellt würde, dahs sie das nicht weihs würde, so sollen sie das holen an dem oberhof, den man nennet St. Martinshof und kommen sie sie auf des höhen St. Johanstag oder auf St. Brictiitag, so soll man ihnen das geben sonder costen; kommen sie aber als aus dem jahre, so soll man dem scholthessen und dem Scheffen die cost thun; so sie das nit wissen, so soll man ihnen geleidtsgeld geben, so sollen sie das holen auf ihrem oberhof, da man das urtheil zu grundt ausweiset.

Item auch so wann der Herbst kombt, dahs man lesen soll und die Herren kommen oder einer von irentwegen, so soll der scholthes ihnen ihnen die cost thun, darachter der scholthes seinen schrank zuschließen undt sollen die herren ihme, seiner hausfrauwen undt der magd die cost thun, also lang die speill gehet.

Item auch soll ein jeglicher lehenmann ein büde brengen, darin die herren ihre drauben zu thun, runne dan die büde drittehalben Fuß aus, so weiset man ihnen saumig.

Item so soll der lehenmann finden einen gutten wohlbereithen kelter mit allem seinem zugehör, nemlich ein inckbude, ein seye, ein greift undt schauffel.

Item weiset man auf diesem Hof, daß ein jeglich lehenmann soll brengen ein burtgen beitzholtz, findet er die thuer aufstehen, so soll er sie ziemlich binden und soll eingehen; ist die thuer zue, so soll er sie über den dorpel werftefn; rhuret sie den dorpel, so weiset man ihn saumig.

Die für die Angaben an das Stift Pfalzel zuständigeAbgabestelle, "Oberhof" genannt, war also der Martinshof in Pfalzel. Es sind genaue Festlegungen getroffen, wann, d.h. am welchen exakt bezeichneten Terminen die Abgaben zuleisten, d. h. die Felder zu bestellen sind (Johannistag = 24. Juni).

Ferner wurden Vorschriften über Behandlung und Bestellung der Felder und Wingerte festgelegt.

Beispielsweise durften Wingerte längstens zwei Jahre Brachliegen, sonst wurde das Nutzungsrecht entzogen.
Bezüglich der Weitergabe von Nutzungsrechten, in der Regel als Erbpacht, hatten Einheimische eine Vorrangstellung.
Diese Vorschrift sollte die Einheit und damit die Wirtschaftskraft des Gesamtbesitzes bewahren.


ls Pacht oder Steuer erhob das Stift Pfalzel eine festgelegte Naturalabgabe, die ohne Rücksicht auf den Ertrag in guten oder schlechten Jahren zu entrichten war. Diese Abgaben (speziell bei Wein) durfte auch nicht durch geld abgelöst werden.

Bei Verstößen gegen die Bestimmungen war eine Buße zu 2/3 an die Stiftsherren und zu 1/3 an den zuständigen Schöffen zu zahlen. Die jährlichen Erträge wurden durch Beauftragte der Grundherren kontrolliert, die auch die Abgaben erhoben und die Strafen festlegten.

Auf der anderen Seite hatten aber die Grundherren für Saatgut und Gerätschaften wie Kelter etc. zu sorgen, damit die Steuerpflichtigen die geforderten Leistungen auch erbringen konnten.

Gleichermaßen besaß das Domkapitel zu Trier Weistümer (zumindest seit 1694).

Der für Trier zuständige Oberhof war der Petershof. Als "Dingtag" war der erste montag nach dem Fest der Dreifaltigkeit festgesetzt.

Hinter der Grundherrschaft des Domkapitels stand natürlich der Kurfürst und Bischof von Trier. Der entsprechende Bezirk in Cond stand quasi unter seiner Schirmherrsschaft.


Auch die Trierer nahmen es mit ihren Vorschriften genau, denn auch sie legten zum Beispiel fest, wie dei Geldstrafen für Verstösse zu entrichten seien: nämlich je 1/3 an den Bischof, an das Domkapitel und an den Schöffen. Der zuständige Schöffe (Vertreter der Grundherren) wurde auch regelmäßig durch das Domkapitel oder den sogenannten "krummen Stuhl" belehrt.

Ebenfalls war den Trierern am geschlossenem Erhalt ihrer Grundherrschaft gelegen, was in den Anordnungen bzgl. des Immobilienverkehrs oder auch der Bauholzbeschaffung zum Ausdruck kommt.
Handel mit Immobilien durften nähmlich nur die Grundherren betreiben; das Besitztum als solches sollte erhalten bleiben, damit die darauf beschöftigten Vollbauern nicht in ihrer leistungs- und damit Besteuerungsfähigkeit eingeschränkt wurden.
Gleiches galt für die Bauholzbeschaffung, sprich für die wirtschaftliche Verwertung des Waldbesitzes.

Denkbar ist auch, daß die Trierer als hiesige Territorialmacht auf die Weistümer anderer Grundherren Einfluß genommen haben, so zum Beispiel auf die Münstermaifelder Priestergemeinschaft.
Die Abgaben für diese mußten an den jeweiligen Vorsteher der Preistergemeinschaft entrichtet werden. Der zuständige Oberhof war das Anwesen der Bruderschaft in Münstermaifeld.


erhältnismäig kurz währte die Grundherrschaft derer von Oberpleiß, die wiederum unter Siegburger Oberhoheit standen. Sie besaßen vermutlich erst an 1754 entsprechende Rechte.

Inwieweit auch die Oberpleißer von Trier abhängig waren, läßt sich nicht genau feststellen. Jedenfalls wird in ihren Vorschriften bezug genommen auf Verordnungen des Kurfürsten von Trier.

Bei den Herren von Oberpleiß finden sich abweichende Vorschriften, was die Veräußerung von Immobilien betrifft.
Vorkaufsrecht hatten zunächst der zuständige Schultheiß, dann konnten die Erbpächter und erst an dritter Stelle fremde Personen Land erwerben.

Somit hatten in dem kleinen Ort Cond mit Stablo, Trier, Pfalzel, Oberpleiß und Münstermaifeld vornehmlich die geistliche Macht das Sagen.
Aus älteren Quellen wissen wir aber auch, daß die Krone, d.h. der König, sowie auch einzelne Adlige zumindest zeitweise Rechte ausübten.

Wie groß das Dorf Cond damals war, läßt sich nur durch Schätzungen ermitteln. Im Jahre 1563 wurden 70 "Feuerstellen" gezählt. Nach dem 30jährigen Krieg waren es nur noch 30.
1787 wurden 230 Einwohner gezählt.