Glockenklang

Die Fahne von Cond
Geschichte Conder Glocken


ie vielen Glocken in unserem Stadtgebiet hat wohl noch niemand gezählt. In unserer heutigen, oft hecktischen und lärmerfüllten Zeit, ist das Geläute der Glocken aber ein von den wenigsten als störend empfundenes Geräusch.

Jeder dieser Klänge hat seine eigene Geschichte. In allen Zeiten sorgte sich die Gemeinde um die Erhaltung und Pflege der Glocken, waren sie doch oft von Kriegen oder Feuersbrüsten bedroht.

So befinden sich in der Pfarrchronik der Gemeinde St. Remaklus u.a. folgende Eintragung:

"Kirchenglocken
Es befinden sich im Kirchenturm drei Glocken.

1. Auf der großen Glocke steht:
St. Remaclus heiß ich. In die Er Godes luden ich,
Heinrich von Trier gauß mich. A. Dni. 1556.
Ton: as

2. Auf der zweiten Glocke:
Ave Maria rufe ich, Anselmus Franziskus Speik
von Bruchsal goß mich, vor der Gemeinde Conde
Anno 1752.
Ton: b

3. Auf der kleinen Glocke:
Gegossen von Theodor Lehmann in Neuwied
1863."


n den beiden Weltkriegen mußten die Glocken zum großten Teil abgegeben werden, da ihr Metall (Bronze-Zinn-Legierung) zur Herstellung von Geschützrohren eingeschmolzen wurde. Die Conder mußten erstmals 1917 eine Glocke abliefern; es traf die kleine Glocke aus dem Jahre 1863.

1921 dann stifteten die drei Ehefrauen der Geschwister Hubert, Heinrich und Alois Hieronimi eine neue Glocke, die in der Glockengießerei Mark in Brockscheid hergestellt wurde. Diese Glocke trug das Bild des hl. Hieronimus und die Inschrift: "Dem hl. Hieronimus zur Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden. Gestiftet v. d. Ehefrauen Juliane, Margarete und Elisabeth Hieronimi, Cond 1921." Diese Glocke war auf den Ton e gestimmt.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch die 1913 beim Brand des Kirchturmes gesprungene Ave-Maria-Glocke aus dem Jahre 1752 umgegossen und erhielt die zusätzliche Inschrift: "1921. Unter Reuter Pfr. in Cond gegossen in Brockscheid von Aug. Mark."


n den Jahren des 2. Weltkrieges mußten die Glocken dann erneut angegeben werden. Die Nationalsozialisten verfolgten mit deren gleichzeitig den Zweck, die Bevölkerung vom Kirchgang agzuhalten. Als (Schein-)Begründung wurde angeführt, daß die Sirenenalamierung bei Fliegerangriffen von dem Glockengeläute übertönt werden könne.

Die Glocken wurden also aus den Kirchtürmen herausgenommen und zu einem Glockensammelplatz ("Glockenfriedhof") nach Hamburg gebracht. Jede Gemeinde durfte lediglich ihre kleinste Glocke behalten.

Der schwere Bombenabwurf über Sehl vom 3. September 1942 war schon vorüber, als im Herbst auch die Conder ihre Glocken hergeben mußten. Bis auf eine, darüberhinaus möglicherweise durch einen Gießfehler noch immer verstimmte Glocke (die aus dem Jahre 1752 bzw. 1921) wurden sie entfernt.

Die Remaklusglocke blieb nur deshalb erhalten, weil sie nicht nach Hamburg gebracht wurde, sondern in den Nachbarort Ernst, der zu dieser Zeit überhaupt keine Glocke mehr hatte. Dort blieb sie auch in den weiteren Kriegsjahren und danach bis ins Jahr 1953, als sich der Kirchenvorstand von Cond mit dem von Ernst verständigte und die Remaklusglocke zurückerwarb.


ach 11 Jahren, an einem Wochentag im Dezember 1953, kam sie wieder nach Cond zurück. Unter der Leitung von Zimmermeister Fritz Laux war sie fachgerecht vom Ernster Glockenstuhl herabgelassen und auf einen Anhänger verladen worden.

Die verstimmte, bereits 1921 umgegossene Glocke ließ die in der Glockengießerei Mark in Brockscheid neugießen und für die im Krieg verlorengegangene dritte Glocke der Familie Hieronimi stiftete der MGV Moselgruß Cond eine neue.
Sie trägt die Inschrift
"Christus, König der Herrlichkeit, schenke uns den Frieden" und ist mit einem Christkönigsbild versehen (Ton c).

Diese Glocke hielt zusammen mit der Remaklusglocke Einzug in Cond (zu sehen auf dem Lastwagen hinter dem Traktor). Der Lastwagen wurde von der Spedition Schäfer (Endert) zur Verfügung gestellt.

Auf dem Schild über der Remaklusglocke ist folgender Text zu lesen:

"Vor vierhundert Jahr bin ich geboren.

Im Krieg ging ich Euch fast verloren.

Heut komm ich wieder mit frohem Gruß

und läut für Euch und St. Remaklus."


ährend sich die geschmückten Glocken über die Brücke näherten, wurden sie von zwei Meßdienern angschlagen.

Am Brückenkopf hatte sich die Gemeinde versammelt, darunter auch die Stadträte und Bürgermeister Hillebrand, um die Glocken zu empfangen.

Der damalige Pfarrverwalter von Cond, Pastor Schmauch, hielt aus diesem Anlaß eine Begrüßungsrede, als ob es sich um den Empfang eines Spätheimkehrers aus dem Krieg handelte.

Wie damals bei Glockenweihen üblich, hatte jede der drei Glocken zwei Glockenpaten aus der Gemeinde, die auch bei dem Glockenneu- bzw. Umgß zugegen waren, und mit einem Geldbetrag die Wiederherstellung des Geläutes unterstützen wollten. Auf dem Bild erkennt man die Glockenpaten vor dem Traktor mit der Remaklusglocke.

Es handelte sich um Frau Margarethe Hieronimi, Frau Elisabeth Heimes, Herrn Heinrich Castor, Herrn Nikolaus Hölzenbein, Herrn Leo Laux und Herrn Pastor Peter ... aus Ernst.

Die Straßen von Cond waren dem Anlaß entsprechend festlich geschmückt und die Bevölkerung geleitete die Glocken durch das Dorf bis zur Kirche.

Hinter dem Schulbogen wurden die Glocken mit vereinten Kräften, allein die Remakluslocke wiegt an die 12 Zentner, heruntergehoben und auf mit Schmierseife präparierte Balken gesetzt, um sie die Treppenstufen hinauf zur Kirche zu schaffen.

Zu diesem Zweck wurden Seile um die Glocken herum gelegt und unter dem Kommando von Fritz Laux ("Hau-Ruck, ihr Studenten, Hau-Ruck, ihr Studenten"), zogen und schoben die jungen Männer des Dorfes die schweren Lasten hinauf zur Kirche, um sie dort mit Hilfe von Flaschenzügen auf einem provisorischen Glockenstuhl zu befestigen.

Das Festhochamt zu Ehren der Glockenrückkehr wurde am darauffolgenden Sonntag gehalten. Danach erhielten die Glocken ihren angestammten Platz im Kirchturm zurück.


ach dem Bau der neuen Kirche und dem Abriß des alten Kirchenschiffes verblieb nur noch die unter Denkmalschutz stehende Remaklusglocke im alten Kirchturm. Sie wird heute geläutet, wenn ein Mitbürger aus der Gemeinde verstirbt.

Die beiden anderen Glocken bekamen ihren Platz in der neuen Kirche. Eine dritte Glocke für die neue Kirche ließ Pastor Heil anfertigen.

Sie trägt die Aufschrift: "Ut ommes unum sint - in memoriam summi Pontificis Johannis P.P. XXIII. dedicavit. Adalbertus Heil Parochus A.D. 1965" und trägt die Konzilsmedaillie (Ton d).

Aber nicht nur die Kirchenglocken von Cond wissen Interresantes zu erzählen. Auch auf dem Schulbogen hing eine Glocke, die als Schul- und Feuerglocke diente. Sie ist nach dem Abriß des Bogen leider verschwunden und sollte sie noch vorhanden sein, so ist zu hoffen, daß sie wie die anderen Conder Glocken einen ebenfalls würdigen und ihre Sinn entsprechenden Platz gefunden hat.