Kesselflicker

Die Fahne von Cond
Ein handfester Streit 1780


er Name dieses Berufsstandes ist nicht eben positiv besetzt. Wie ein Vagabund zog der Kesselflicker mit seinen wenigen Habseligkeiten und Werkzeug, von Ort zu Ort. Er lagerte vor dem Dorf und erbettelte in den Häusern den ein oder andern Auftrag zur Reparatur von Tellern, Töpfen, Kannen und anderem Geschirr aus Kupfer oder Zinn.

Ralf Brachtendorf erwähnt in seinem kürzlich erschienenen Buch (*1) eine unerfreuliche Begegnung im Jahr 1780.

 

"Johannes Grein hatte in Pommern, Nicolaus Bröhl in Filzen, Nicolaus Schue in Schöndorf bei Trier als Kesselflicker gearbeitet...".

"Bei ihrem Zusammentreffen in Cond hatten sich die drei thätlich und mit Verwundungen geschlagen und mussten zur Strafe, da keiner im Land die Bürgerschafft sich erworben hatte, neben einer Frevelstrafe von einem Goldgulden das Amt
(*2) unter Verlust ihres Handwerks Geschier binnen 6 Stunden räumen und durften dasselbe fernerhin nicht mehr mit ihrer Kesselflickerey - bis irgendwo im Ertzstifft die Bürgerschafft erworben - ... betretten."


Brachtendorf weist mit diesem Beispiel auf den deutlichen Unterschied bei der Bestrafung von Vagabunden hin, denen der Erwerb der Bürgerschaft niemals in Aussicht gestellt worden wäre, gegenüber Fremden mit festen Arbeitsstellen in einem ehrlichen Beruf.

In Cond hat sich die Redewendung erhalten: "Die honn sech jekloppt wie die Kesselflicker" und meint damit z.B. einen heftigen Streit unter Geschwister.



(*1) : Ralf Brachtendorf: Konflikte, Devianz, Kriminalität - Justiznutzung und Strafpraxis im 18. Jahrhundert am Beispiel des Amts Cochem, Tectum Verlag, Marburg 2003, erhältlich im Buchhandel

(*2) :das kurfürstliche Amt Cochem war eines von 31 Ämtern in Kurtrier und umfasste im 18. Jahrhundert neben dem Gebiet des Stadtgerichts Cochem, die Hochgerichte Klotten und Pommern sowie die Gerichte Cond, Valwig.