Conder Grab- und Wegekreuze
aus dem 18. Jahrhundert

Die Fahne von Cond


achdem in den letzten beiden Ausgaben der Festzeitung die Kreuze und Inschriften aus der Zeit vor 1700 bzw. vor 1600 behandelt wurden, kommen wir nun zu den in Cond noch vorhandenen Kreuzen des 18. Jahrhunderts.

Die meisten davon stehen am Nordportal unserer Pfarrkirche.


Auf dem ältesten steht "INRI 1747 PETRVS BALTASAR V GIRTRVDIS EHELEVT". Wir sehen deulich, daß in damaliger Zeit das U als V geschrieben wurde. In unserer heutigen Sprache und Schreibweise würde es heißen "Eheleute Peter und Gertrud Balthasar". Wahrscheinlich ist Peter Balthasar im Jahre 1747 gestorben. Seine Frau Gertud starb jedoch erst am 23. Januar 1758. Sie hieß mit Mädchenname Lamberts und stammte aus Valwig. Die Eheleute heirateten am 18. Februar 1716 in Cond und hatten vier Kinder: Phillip Adolf (*29. Juli 1718), Johann Peter (*2. Juli 1720), Anna Margarethe (*22. Februar 1722) und Anna Barbara (*14. Januar 1724).


Es gab damals noch einen weiteren Peter Balthasar. Er war Gerichtsschöffe zu Cond, geboren am 21. Juli 1683 als Sohn von Johann Peter Balthasar. Am 26. Juni 1708 heiratete er Anna Barbara Leysen, die ihm sieben Kinder zur Welt brachte. Auch von ihm ist in Cond noch ein Grabkreuz erhalten. Es ist in der Friedhofsmauer eingemauert, ganz versteckt hinter dem Grabstein der Familie Boos. Eine Jahreszahl ist zu erkennen. Es könnte 1752 heißen. Demnach wäre der Gerichtsschöffe Peter Balthasar im Alter von 69 Jahren gestorben. In den Kirchenbüchern ist Über den Tod nichts verzeichnet.


In der Weinbergsmauer auf dem Weg nach Valwig ist ein weiteres Kreuz eingemauert und zwar aus dem Jahre 1754. Es ist von "PETRUS HENRICUS SCHMITZ EX COND". Dieses Kreuz stammt wahrscheinlich nicht vom Conder Friedhof, da es ungewöhnlich wäre, jemanden auf dem Grabstein als "aus Cond" (EX COND) zu bezeichnen, wenn derjenige dortselbst beerdigt worden ist. dann wußte eigentlich jeder, woher der Tote stammte. Wahrscheinlich ist Peter Heinrich Schmitz außerhalb von Cond gestorben und beerdigt worden. Das würde erklären, warum in den Conder Kirchenbüchern nichts über seinen Tod vermerkt ist. Peter Heinrich Schmitz könnte der Sohn von Peter Schmitz und Anna Elisabeth Schömen gewesen sein, die 1731 in Cond heirateten.


Von der Familie Schömen stammt auch das nächste Kreuz mit der Aufschrift "INRI IOANNES SCHEMEN IEStOrbEN 1755". Dieses Kreuz ist schon in der letzten Ausgabe unserer Festzeitung beschrieben worden, allerdings wegen seiner Vorderseite, die 1615 "Hans Brohl seiner Tochter Anna" gewidmet war. [ klicke hier ] Johannes Schömen ist am 30. April 1699 in Cond als Sohn von Peter Kilian Schömen und Helena Margarethe Gräfen geboren. Er heiratete am 19. Dezember 1730 Maria Babara Conzen. In der Zeit von 1731 bis 1745 bekamen sie sieben Kinder.


benfalls von einem Mitglied der Familie Schömen ist das nächste Kreuz aus dem jahre 1762. "FRANCISCUS IOSEPHUS SCHEMEN IOANNA MARIA STEM". Franz Josef Schömen war der "Schultheiß des Erzbischofs". Tatsächlich starb er am 13. Mai 1762. Er war ein Bruder des vorher genannten Johannes Schömen, geboren am 12. Mai 1695. Beim ersten Kind seines Bruders, das ebenfalls franz Josef Schömen hieß, war er 1731 Taufpate.

 


Bei der Erweiterung unseres Friedhofes wurde das Kreuz von Paul Huemphen von 1763 in die neue Friedhofsmauer eingemauert. Früher stand das Kreuz noch auf einem Sockel, an dem ein Befestigungsring angebracht war. Paul Huemphen ist am 29. Juni 1667 in Cond geboren worden, hatte also ein Alter von 96 Jahren erreicht. Er war der Sohn von Peter Huemphen und seiner Frau Margarethe. Er heiratete 1691 Maria Margarethe Cornely. Sie hatten sechs Kinder. Die Familie Huemphen stammte wahrscheinlich aus Ernst. Der Taufpate des Paul Huemphen war ebenfalls ein Paul Huemphen (wahrscheinlich der Bruder des Vaters) und kam aus Ernst.


as von der Jahreszahl her letzte Conder Kreuz aus dem 18. Jahrhundert gibt uns Rätsel auf. Es enthält keine vollständigen Namen, sondern nur Initialen und Zeichen. Wahrscheinlich ist es ein Kreuz der Eheleute HF und MMG. Es gibt aus den Conder Kirchenbüchern heraus kein Ehepaar, auf das die erwähnte Kombination unter Berücksichtigung der Jahreszahl passen würde. Es findet sich auch kein "HF" alleine, der 1770 gestorben sein kann. Allerdings gibt es von mehreren MMG nur eine einzige, die für genanntes Grabkreuz in frage kommen könnte. Es ist Maria Margarethe Göbel. Sie ist die erste Tochter des Gerichtsschöffen Wilhelm Göbel und seiner Frau Maria Katharina Lenz und wurde am 26. Dezember 1740 in Cond geboren. Es könnte sein, daß der Ehemann der Maria Margarethe Göbel, von dem wir nur wissen, daß sein Vorname mit H und sein Nachname mit F anfing, aus einem anderen Ort stammte und daß auch dort die Heirat erfolgte, da sie im Conder Kirchenbuch nicht vermerkt ist. Es könnte bei erforchung der Kirchenbücher der Nachbarorte eine Lösung des Problems geben. Welcher HF (z. B. Heinrich Friederichs oder Hubert Franzen) hat um 1760 Maria Margarethe Göbel aus Cond geheiratet? wer etwas herausfindet, melde sich bitte bei unserer Redaktion. In der nächsten Festzeitung berichten wir dann. Des weiteren könnten die auf dem Kreuz vorhandenen Hausmarken noch Aufschluß über die Identität der Personen geben. In einem Kranz befinden sich zwei Zeichen, von denen das obere zum Mann gehören könnte und das untere zur Frau. Die obere Hausmarke sieht aus wie ein Zirkel und unten stehen zwei Dreiecke mit den Spitzen aufeinander. Schade, daß die Bedeutung der alten Zeichen in Vergessenheit geraten ist. Früher konnten alle Zeichen den Familien zugeordnet werden.


Quelle: Wolfgang Thiel: Kreuze in Cond, In Mosel-Eifel-Hunsrück, Der Landkreis Cochem-Zell, 1979