Conder Grab- und Wegekreuze
aus dem 19. Jahrhundert

Die Fahne von Cond



ür diejenigen, die die Festzeitung zum ersten Mal lesen, sei vorausgeschickt, daß es sich bei den "Conder Grab- und wegekreuzen" um eine Veröffentlichungsserie handelt, die 1996 mit den Conder Inschriften vor 1600 begann und sich dann in der Ausgabe von 1997 mit den Kreuzen des 17. und im letzten Jahr mit denen des 18. Jahrhundert fortgesetzt hat.
Wer sich also nachträglich für das interssiert, was sich in Cond an Inschrften aus vergangenen Jahrhunderten erhalten blieb, und auch weiteres üer die Personen in Erfahrung bringen will, die auf den Kreuzen genannt sind, kann es in den älteren Ausgaben der Festzeitung nachlesen. Wo es die älteren Festzeitungen gibt? Ganz einfach: Im Gegensatz zu anderen "Zeit"-Schriften werden auch alte Jahrgänge der Festzeitung der Dorfgemeinschaft Pumpenfest in jedem ordenlichen Conder Haushalt aufbewahrt. Fragen Sie einen x-beliebigen Cunner, und er wird Ihnen weiterhelfen! {und dieser link führt zur entsprechenden Seite im www:
17.Jahrhundert | 18.Jahrhundert ]


Doch nun zum diesjährigen Thema. Es geht um das 19. Jahrhundert. Konnten wir aus den 18. Jahrhundert noch sieben Kreuze in der letzten Festzeitungsausgabe vorstellen, finden wir aus dem 19. Jahrhundert in Cond nur ein einziges Wegekreuz vor. Hätte man doch gedacht, daß sich mit dem zeitlichen Voranschreiten auch die Häuigkeit erhöht. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Woran liegt´s ? War das Aufstellen von Wegekreuzen einer Mode unterworfen ? Wer käme heute noch auf die Idee eines aufzustellen ? Oder begann im 19. Jahrhundert schon unsere Wegwerfgesellschaft, die es nicht mehr für nötig jielt, vorhandene Zeugnisse für die Nachwelt aufzubewahren ? Wir wollen dies nicht weiter erörtern und lieber das einzige Conder Wegekreuz aus dem 19. Jahrhundert vorstellen.


s ist auf dem Photo abgebildet und wohl wenigen bekannt. Denn wer wagt sich schon auf der befahrenen Straße auf den Weg nach Valwig ? Dort in der Weinbergsmauer versteckt steht im Anschluß an das Nikeläsje das Kreuz der Maria Susanna Kohlbecker. Die Schrift, die fast in der Straße versinkt, ist kaum noch lesbar. Aber es heißt dort "A O 1808 MARIA SVSANA KVLBECKES". "Kohlbecker" steht auf dem Kreuz so geschrieben, Wie es früher einmal gesprochen wurde, und so ist das heute noch im Volksmund erhaltene "Kuhlbeckisch" dem auf dem Kreuz geschriebenen "Kulbeckes" viel näher als dem standesamtlichen "Kohlbecker".


Aber wer war diese Maria Susanna Kohlbecker ? Sie wurde am 13. Dezember 1770 in Ediger geboren. Ihre Eltern sind der Winzer Matthias Mertens aus Ediger und Anna Katharina Balles aus Eller, die im Februar 1770 geheiratet hatten. Maria Susanna war ihr erstes Kind. Es folgten noch drei Brüder und eine Schwester, die jedoch so wie der jüngere Bruder frü verstarb. Am 14. Dezember 1770 wird Maria Susanna in der Kirche von Ediger getauft. Ihre Taufpaten sind der unverheiratete Karl Mertens aus Ediger und die Jungfrau Mat Susanna Balles aus Eller, wahrscheinlich eine Schwester der Mutter. Maria Susanna heiratete am 22. November 1803 den Johann Adam Remaclus Kohlbecker aus Cond. Er ist der Sohn von Nikolaus Kohlbecker und Anna Maria Herbertz. Nikolaus Kohlbecker, also der Schwiegervater von Maria Susanna, war von Beruf Schiffbauer und stammte aus Hatzenport.Johann Adam Remaclus Kohlbecker war der einzige Sohn des Nikolaus. Er hatte noch drei Schwestern, wovon eine bereits mit drei Jahren "an den Pocken" erkrankte und starb. 1780 hatte Nikolaus Kohlbecker Ärger mit dem Kloster Engelport. Er geriet mit dem Kloster in einen Rechtsstreit und wurde beschuldig einen Markstein verrückt zu haben; die Engelporter Nonnen sahen sich um "zwei bis drei Stück vervorteilt".


Die Kohlebeckers wohnten auf dem heutigen Pumpemplatz. Früher standen dort einmal drei Häuser. Dort, wo am Pumpenfest der Bierpavillion aufgebaut ist, von der Pumpe aus gesehen oben links, stand das Haus der Kohlbeckers.
Maria Susanna und Johann Adam Remaclus ließen ihr erstes und einzges Kind in Cond taufen: Caspar Josef Kohlbecker. Leider verstarb dann die Mutter am 11. August 1808 im Alter von 37 Jahren, woran uns das Kreuz an der Straße nach Valwig erinnert. Traurig für den Vater, daß auch sein Kind 1810 stirbt.


ie alten Kirchenbücher vermitteln uns nur nüchterne Daten der Personen. Wenn wir die Daten entsprechend interpretieren, können auch die Schicksalsschläge ermessen werden, die die Menschen früher erlitten haben. Johann Adam Remaclus Kohlbecker verlor 1803 seine Mutter, 1805 seinen Vater, 1808 seine Frau und 1810 seinen einzigen Sohn. 1814 verstarb die zweite seiner drei Schwestern. Doch in diesem Jahr sollte das Schicksal eine Wende erfahren. Denn 1814 heiratete J.A.R. Kohlbecker ein zweites Mal, nämlich Susanna Nick aus Bruttig,die im selben Jahr drei weitere Söhnchen zur Welt brachte und später drei weitere Kinder. "Kuhlbeckisch Mäkel", wie er wohl früher in Cond genannt wurde, verstarb im Alter von 70 Jahren am 27. Februar 1841. Die Taufen seiner 13 Kohlbecker-Enkel konnte er nicht mehr miterleben.
Das Kreuz für seine erste Frau Maria Susanna hat er wohl anfertigen lassen und es erinnert uns bis heute an seine Familie.


Quelle: N. J. Pies: "Merkwürdigkeiten zwischen Hunsrück und Eifel" aus fünf Jahrhunderten. Band IV zur Geschichte von Kloster Engelport, Erftstadt-Lechenich 1997