Cunna Melschdeppe und Cunna Estreijer

Die Fahne von Cond
Geschichtlicher Hintergrund zu Conder Spitznamen


er bekanntere Spitzname der Conder ist ohne Zweifel das "Melschdeppe".

Weniger geläufig, und deshalb immer wieder mißverständlich, ist die Bezeichnung "Estreijer" (Österreicher).

Sie ist weniger als Scherz gemeint, sondern hat eine historische Quelle:

Bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 begann die Rückeroberung des linken Rheinufers durch die verbündeten Armeen.
Die Gebiete etwa der einstigen Rheinprovinz wurden zunächst bis zum 15. Juni 1814 von den Verbündeten gemeinsam verwaltet. Zwei Generalgouvernemts wurden eingerichtet: "Berg" für die rechtsrheinischen Gegenden mit der Hauptstadt Düsseldorf, "Nieder- und Mittelrhein" für die linksrheinischen Gebiete mit der Haupstadt Aachen.

Die Gebiete rechts der Mosel und auf dem Hunsrück (also auch Cond) wurden einer bayrisch-österreichischen Landeskommission in Kreuznach unterstellt. Der Gouverneur der Festung Mainz, Johann Freiherr von Frimont, Österreicher General der Kavallerie, erließ in diesem Sinne am 15. Juni 1814 eine Bekanntmachung, in der es u.a. hieß:

"Zur Verwaltung des Landes zwischen der Mosel, der Saar und dem Rhein bis an die französische Grenze, ausschließlich der Festung Mainz, wird zu Kreuznach eine aus Kaiserlich-Österreichischen und Königlich-Bayrischen Kommissärs gemeindschaftlich zusammengesetzte Administration aufgestellt, an welche sömtliche Zivilbehörden dieses Distrikts angewiesen sind. Die zu Mainz und zu Kreuznach gemeinschaftlich aufgestellten Administration treten mit dem 16. ds. in die Wirksamkeit."

Die Gemeinde Cond wurde damals dem Amt Treis eingeliefert. Am 10. Februar 1815 bestimmte der Wiener Kongreß, dass das Gebiet der nachmaligen Rheinprovinz endgültig an Preußen fallen sollte. Daraufhin erließ König Wilhelm III. am 5. April 1815 von Wien aus die Besitzergreifungspatente "An die Bewohner der mit der preussischen Monarchie vereinigten Rheinländer."

Am 15. Mai 1815 erfolgte in Aachen die Huldigung. Für den Kanton (Kreis) Cochem nahm der Cochemer Steuerinspektor Caspar Joseph Werling daran teil.
(hp)