Cond zu Zeiten der preußischen Urvermessung

Die Fahne von Cond
Ein Gang durchs Dorf


ir schreiben das Jahr 1832. Spätestens seit dem Frühjahr sind der preußische Katastergeometer Kiefer und seine Gehilfen jedem Kinde im Ort bekannt. Nachdem im Mai die Gemeindegrenzen in Absprache mit den Schöffen Goebel und dessen Kollegen der angrenzenden Gemeinden festgelegt und mit Grenzsteinen abgemarkt worden waren, war die Stückvermessung durchzuführen. Alle Parzellen wurden - oft im Beisein des Schöffen und der einzelnen Eigentümer - angezeigt und entsprechend den zur Verfügung stehenden einfachen Meßinstrumenten (1 preuß. Rute = 3,77 Meter) nach ebenso einfachen, aber effektiven Meßmethoden aufgenommen.

Schon im Dezember desselben Jahres lag das Endprodukt vor. Ein Flurkartenwerk, bestehend aus 16 colorierten Blättern auf Büttenpapier, überwiegend im Maßstab 1:625 sowie die Katasterbücher mit den Parzellen jedes Eigentümers und natürlich - denn das war der Zweck - mit den steuerlichen Klassifizierungen.


Zur Vorgeschichte: Die preußische Regierung hatte schon 1817 - nur Jahre nach dem Wiener Kongreß - angeordnet, die von Napoleon begonnenen Arbeiten für ein Grundsteuerkataster fortzusetzen. Der Kreis Cochem wurde von den Geometern relativ spät in Abgriff genommen. Erst im Frühjahr 1832 setzten Kiefer und seine Gehilfen über die Mosel nach Cond über. Im vorangegangenen Winterhalbjahr hatten sie die Cochemer Gemarkung vermessen. Vielleicht sah der Gemeinderat die Sache mit gemischten Gefühlen, doch hoffte man, daß das neue Steuersystem gerechter sein würde. Gewiß war es etwas Neues und Aufregendes.

Noch 165 Jahre später können wir ein sehr anschauliches Ergebnis dieser Arbeit genauer betrachten: die im Original colorierte Übersichtskarte zur Orientierung:

Darstellung links: Ausschnitt der Gemeindeübersichtskarte der Urvermessung von 1832 im Maßstab 1:5000.

Darstellung rechts: der entsprechende Ausschnitt aus der Deutschen Grundkarte 1:5000 (Stand 1987).


ir treffen uns an der Kapelle vor der Kühgaß (Hafenstraße/Brückenkopf) und gelangen nach gut 100 m über den unbefestigten Weg durch Weinberge ins "Innadorf" (Unterdorf). Das erste Haus steht bergseitig der "Duhtjaß" (Breite Straße) von Lorenz Rink (heute Michels). Über die gepflasterte Dorfstraße gehen wir 50 m weiter - das erste Haus rechter Hand steht ein der Kerwerstraße und gehört Johann Peter Gansen (Gästehaus Sonn´schein). Entlang des gesammten Moselweges befinden sich Gärten, Hühnerställe, wohl auch allerhand Gerümpel, das von der Straße her niemand zu sehen braucht (man zeigte den Cochemern die "Rückseite"), darunter die Bleichwiesen mit Sand- und Kiesstrand. Moselseitig der Häuser Heinrich Binz (Walter Laux) und Johann Peter Heimes sen. (Sutty, früher Castor), im Bereich des heutigen Hotel Brixiade, ist noch Wingert. Wie sind jetzt im "Ewwadorf" und wollen Rast machen. Denn genau gegenüber dem Haus Heimes steht die "Petz" - nicht "Pomp" (es gab noch keine Pumpe und erst recht kein Pumpenfest). Wegen seiner Größe (ca. 3 m x 4 m) und der ovalen Form handelt es sich wohl um einen mit massiven Bruchsteinmauern umfaßten, überdachten Ziehbrunnen. Also - hier gibts allenfalls frisches Wasser zu trinken, so gehen wir weiter unter dem "Schulerboache" hindurch. Die bergseitige Begrenzung des Schulbogens ist in der Karte gut erkennbar. Uns umweht der Duft von frischgebackenem Brot. Hier, am heutigen Feuerwehrhaus, befindet sich auch der Gemeindebackes. Gegenüber das "Paradieschen" - Lorenz Zenz - später Rincks Hof. Die frühere Hofanlage der Abtei Stablo (Zehnthaus) mit seinen Wirtschaftsgebäuden befindet sich schon im Privatbesitz von Frank Rink.