Die Römervilla in der Conder Mark
Die Fahne von Cond


n die Planung des neuen Baugebietes in der Conder Mark war auch die Außenstelle der Archäologischen Denkmalpflege in Koblenz einzubeziehen, denn in den dortigen Ortsakten ist in der Flur "Unter den Schutzmarken" eine römische Fundstelle eingetragen. Vermutlich handelt es sich um einen Gutshof, in antiken Quellen als villa rustica bezeichnet, denn die Römer bevorzugten für ihre landwirtschaftlichen Betriebe flach abfallende Hänge am Grenzbereich von trockenen zu feuchten Ökotopen. Typisch für eine villa rustica sind mehrere Gebäude, von denen mindestens das Hauptgebäude als Steinbau errichtet worden war. Dies ist ein grundsätzlicher Unterschied zur vorrömischen keltischen Bautradition. Abhängig von der Größe der Anlage und dem Reichtum des Besitzers kommen weitere Kriterien mediteranen Bauens hinzu: Wandmalereien, Mosaiken, Glasfenster, Marmor. Eingefasst waren diese 0,6 bis 6 ha großen Hofbereiche von einer Mauer, seltener von einem Graben oder Zaun. Wie der Conder Gutshof ausgesehen hat, ist uns unbekannt. Vermutlich wird es keine palastähnliche Anlage gewesen sein, wie sie aus der Trierer Region bekannt sind, sondern ein einfacher ländlicher Betrieb, der dennoch über einige typisch römische Elemente verfügte. Eine Fußbodenheizung wärmte mindestens einen Wohnraum, und das Hauptgebäude hatte Baderäume; das notwendige Wasser stammte aus einem Brunnen, häufiger von einer höher gelegenen Quelle, deren Wasser mit einer Leitung zum Haus geführt wurde. Noch heute fließt östlich der Kläranlage ein kleines Rinnsal, das den Wirtschaftsweg zur Klottener Fähre kreuzt. Außerhalb des ummauerten Hofbereichs sind die Gräber zu vermuten, wie wir sie etwa aus Nehren kennen, auch kleine Tempel können sich abseits der Hofgebäude befunden haben. Bei einer Begehung im Dezember 1999 konnten einige römische Scherben von Irmgard Heinen, Holger Haupt und Hans-Peter Hock aufgelesen werden, die mittlerweile der Archäologischen Denkmalpflege in Koblenz übergeben wurden. Diese Scherben stammen sowohl von Vorratsgefäßen als auch vom wertvolleren feinen Tafelgeschirr und sind in das 2. Jahrhundert nach Christus zu datieren. Dies war eine Zeit des Friedens und des wirtschaftlichen Wohlstands in beiden germanischen Provinzen des römischen Imperiums; die Gutshöfe zogen sich perlenschnurartig entlang der Mosel, lagen aber auch im Hunsrück und in der Eifel. Während an der Mosel Obstkulturen und Wein angebaut wurden, dominierte in den hoher gelegenen Gebieten Ackerbau und Viehzucht.

Rekonstruktion eines römischen Gutshofes

Der nächste Gutshof moselaufwärts lag in der Schier Mark, moselabwärts trägt noch heute Pommern den antiken Begriff pomum (Obst) in seinem Ortsnamen. Der nächste Hauptort wird in Karden gelegen sein, das mit seinem Tempelbezirk auf dem Martberg seit keltischer Zeit eine zentrale Funktion eingenommen hatte. Die Funde im Bereich der Klottener Burg Coraidelstein zeugen von der Zeit, als Germanen in die friedliche römische Provinz einfielen und sich die Bewohner auf gut zu verteidigende Anhöhen zurückzogen. Irgendwann in den unruhigen Zeiten des späten 3. oder 4. Jahrhunderts wird auch der Gutshof in Cond aufgegeben worden sein. Die Mauern verfielen, eine schützende Erdschicht überdeckte die Baureste, die hoffentlich auch weiterhin als unterirdische Zeugen eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler im Cochemer Stadtgebiet erhalten bleiben.