Die "Siedlung"

Die Fahne von Cond
Pionierarbeit in Obercond


er Kern des Ortskern Obercond, die sogenannte "Siedlung" am Beginn der Kapellenstraße, reicht in seiner Entstehung und Planung zurück ins Jahr 1926, als sich der in Cochem ins Leben gerufene "Gemeinnützige Bauverein e.V." entschloß, nach den Richtlinien des "Reichsheimstättengesetztes" bauwilligen Vereinsmitgliedern den Bau eigener Wohnhäuser zu ermöglichen.

Dem Gemeinnützigen Bauverein gehörten außer den eigentlichen "Baulustigen", so die Bezeichnung der Vereinssatzung, weitere "unterstützende Mitglieder" an.

Zweck des Vereins war die Beschaffung und Verwaltung der Finanzmittel, auch aus öffentlicher Hand, Unterstützung bei dem Erwerb der Grundstücke, die Vertretung der Mitglieder gegenüber den behördlichen Stellen bzw. beteiligten Firmen, sowie die Förderung der Interressen der Bauherren.
Bauherr der Häuser aber war das jeweilige Mitglied und jeder entschied auch für sich selbst, in welchem Umfang er die finanzielle Belastung tragen konnte bzw. in welcher Art die Ausführung der Bauarbeiten an seinem Has zu geschehen hatte.


Der Vorstand des Gemeinnützigen Bauvereins stzte sich aus dem Vorsitzenden, Regierungsrat Dr. Hoss, dem stellv. Vorsitzenden Justizobersekretär Linck, dem Schriftführer Oberpostsekretär Junk und dem Kassierer Steuerinspektor Harting zusammen.

1933 gehörten dem Verein 39 "Neuhausbesitzer" aus Cond, Sehl und Cochem an.
Das "Eintrittsgeld" betrug -,75 RM, der monatliche Beitrag -, 50 RM, wobei die Baulustigen neben den Mitgliedsbeiträgen auch entsprechend notwendige Zahlungen für Verzinsung, Grunderwerbsteuer etc. leisten mußten.


Im Jahre 1927 waren die Verhältnisse bezüglich der bereitstehenden Finanzmittel und der Grundstücke soweit geklärt, daß das Bauprojekt in Angriff genommen werden konnte.

An der Finanzierung über die Eigenmittel der Bauherren hinaus beteiligten sich die "Regierung" zu Koblenz, der "Rheinische Verein für Kleinwohnungswesen", die "Preußische Landespfandbriefanstalt" und der Landkreis Cochem.

Das Projekt in der Conder Mark, die in diesem Teil als "Reichheimstättengebiet" ausgewiesen war, wurde unter der Bezeichnung "Baugruppe 1927" geführt.


Der Baugruppe 1927 gehörten 18 Familien an:
Familien Heinrich Junk (Oberpostsekretär), Arnold Söhngen (Lokomotivführer), Adam Schneiß (Lokomotivführer), Wilhelm Linck (Justizobersekretär), August Schmidt (Justizoberinspektor), Johann Wagner (Eisenbahnbetriebsassistent), Wilhelm Mohr (Eisenbahnobersekrerär i.R.), Johann Blott (Oberpostsekretär), Friedrich Detemple (Lokomotivführer), August Imig (Lokomotivführer), Johannes Ege (Oberpostsekretär), Wilhelm Klaar(Oberpostsekretär), Josef Baron (Postschaffner), Jakob Brück (Steuerassistent), Nikolaus Lescher (Telegraphenbediensteter), Berhard Peifer (Telegraphenbediensteter) und Josef Loosen (Telegraphenleitungsaufseher).
Später kamen noch die Familien Peter Weinand und Johann Hirt hinzu.


Der Planungs- und Bauauftrag war an die Architekten Stähler & Horn in Koblenz vergeben worden, die im Rahmen der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel die 18 Häuser zum 1. Oktober 1927 bezugsfertig errichten sollten.
Die Bauten wurden gemäß dem Reichsheimstättengesetz als geschlossene Siedlung geplant, wobei zu jedem Haus ein Garten gehören sollte. Der "Normaltyp" eines solchen Hauses umfaßte die Küche, 5 Zimmer sowie Diele und Bad. Aber auch nur 4 bzw. 3 zusätzliche Räume waren möglich. Möglich war auch eine Zentralheizung sowie Balkon und Mansarde.

Der erteilte Bauauftrag erstreckte sich auf die "schlüsselfertige Herstellung einschließlich Aussenputz, Schlagläden und Einfriedung".

Für damalige Verhältnisse waren die Häuser damit schon sehr komfortabel und repräsentativ. Allerdings konnte jeder Bauherr nach seinen finanziellen Möglichkeiten auf das ein oder andere (z.B. die Zentralheizung) verzichten oder aber auch Sonderwünsche äusern.

Die einzelnen Bauarbeiten wurden durch eine Kommission auf Grund von Ausschreibungen an einzelne Unternehmer vergeben. Dieser Kommission gehörten der Vorstand des Gemeindenützigen Bauvereins, Vertreter der Architektengruppe sowie auch einzelne Bauherren an.

Mit den Maurer- und Zimmererarbeiten wuden beispielsweise die ortsansässigen Firmen Meurer-Röttgen bzw. Hilken beauftragt.


Das Richtfest konnte am 20. August 1927 gefeiert werden.
Hierfür hatte die Baugruppe ein festliches Programm zusammengestellt:

Festordnung
zum Richtfest am 20. August 1927 nachm. 4 Uhr
a.d. Baustelle der Reichsheimstätten in Cond
1. Musikvorträge

2. Festspruch

3. Begrüßung der Gäste und Ansprachen

4. Gemeinschaftliches Lied (Deutschland-Hymne)

5. Bewirtung der Werkleute

Platzmusik und Fidelitas

Aus wessen Feder der Festspruch stammt, der nur mit "TH. 4.8.27" unterzeichnet ist, kann nicht mehr festgestellt werden.

Festspruch
zum Richtfeste der Baugruppe 1927
des gemeinnützigen Bauvereins e.V. Cochem
am 20.8.1927, nachm. 4 Uhr in Cond
gesprochen von Frl. Martha Ege


Festgefügt auf sicherm Grunde
Steht das stolze Werek aus Stein,
Gibt von Müh und Arbeit Kunde.
Heute soll ein Festtag sein!

Wohnungsnot erhob seit Jahren
Unheilvoll ihr häßlich Haupt,
Und so viele, viele waren
Eines sichern Heims beraubt.

Immer bleibt des Menschen Streben,
Sei er noch so arm auf Erd´,
zu erwerben sich füs Leben
In der Heimat eignen Herd.

Wo er ungestört schaltet,
Was ihm sein Elysium,
Wo sich Lieb der Lieb entfaltet,
Wo der Heimat Heiligtum.

Solchen edlen ründen danken
Diese Bauten ihr Entstehn,
Nach dem Fall von vielen Schranken
Konnt´ das Werk man werden sehn.

Was auf dem Papier als Skizze
Klug gezeichnet der Verstand,
Schuf bei Regen, schuf bei Hitze
Voller Müh´ die Schwielenhand.

Wenn die Morgensonne glühte,
sah sie Euch, die Arbeitschar,
Die sich Schaffend fleißig mühte,
Bis das Werk zustande war.

Wenn aus nahem Busche lockte
Abends süß der Drossel Sang,
Wenn die Tagesarbeit stockte,
Und die Feierglocke klang,

Konntet Ir mit Stolz erblicken,
Was geleistet Eure Kraft.
Das gewährt der Brust Entzücken,
Wenn man sieht, was man erschaft.

Und so steht auf sicherm Grunde
Festgefügt das Werk von Stein.
Geist war mit der Hand im Bunde,
Heute weihen wir es ein.

Oft schon hat das Lied geklungen
Deutschem Sinn und deutschen Fleiß
Und so sei auch gesungen:
"Ehre jeder Arbeit Schweiß!"
 

Die Musikvorträge hatten die Bauherren zu bekannten Melodien umgeschrieben:

Melodie:"O alte Burschenherrlichkeit"


O alte Wohnungsherrlichkeit
Wohin bist du geschwunden?
Familienglück, Gemütlichkeit
Bluten aus tausend Wunden.

In allen Städten Wohnungsnot
Und reiche Ernte macht der Tod,
Denn nirgends Lebensfreude.
Die alte Zeit ist pleite.

Doch Vater Staat konnte nicht sehn
Das Elend seiner Kinder.
Es rührte ihn der Armen Flehn,
Bald ward die Not gelinder.